Am Sonntag steigt in New Jersey das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft. Ganz Österreich hat in den letzten Wochen mitgefiebert – und jeden Morgen analysierte ein gewisser Michael Liendl in der „Morning Show“ im ORF die Spiele der Nacht. Ein sympathischer Steirer, ehemaliger Bundesliga-Profi, heute TV-Experte. Es gibt nur ein kleines Problem: Er heißt genauso wie ich. Oder ich wie er, je nachdem, wen man fragt.
Seit ich diese Website betreibe, liefere ich mir mit diesem Mann ein Duell, von dem er vermutlich gar nichts weiß. Es geht um die Frage, wem die Google-Suche nach „Michael Liendl“ gehört. Spoiler: ihm. Warum das völlig in Ordnung ist, und was Sie daraus für Ihr eigenes Unternehmen mitnehmen können, erkläre ich in diesem Beitrag.
Wer ist „der andere“ Michael Liendl?
Michael Liendl, Jahrgang 1985, geboren in Graz. Der linke Fuß, das Auge für den letzten Pass. Stationen unter anderem bei Austria Wien, beim Wolfsberger AC, bei Fortuna Düsseldorf, beim TSV 1860 München und bei Twente Enschede. Sein größter Moment: ein Europa-League-Hattrick gegen Feyenoord Rotterdam – mit 35 Jahren, als drittältester Spieler der Geschichte, dem das gelungen ist. (Ich habe nachgesehen, kein Witz.) 2023 beendete er seine Karriere, seit dieser WM sitzt er als Experte im ORF-Studio.
Übrigens: Der Mann ist tatsächlich ein entfernter Verwandter von mir. Der Name Liendl ist also kein Zufall – irgendwo weit hinten teilen wir denselben Stammbaum. Getroffen haben wir uns trotzdem noch nie. Er lebt in einem anderen Eck von Österreich, und unsere Familienzweige haben schlicht keinen Kontakt. Zwei Michael Liendls, zwei völlig getrennte Leben. Und eine gemeinsame Google-Ergebnisseite.
Ein Zweikampf, den ich nicht gewinnen kann
Ich gebe zu: Als ich diese Website vor vielen Jahren gestartet habe, hatte ich den Ehrgeiz, bei der Suche nach meinem eigenen Namen ganz oben zu stehen. Klingt vernünftig, oder? Es ist schließlich mein Name.
Die Realität sieht so aus: Auf der anderen Seite stehen ein Wikipedia-Eintrag, zwanzig Jahre Sportberichterstattung, Transfermarkt-Profile, unzählige Interviews – und seit dieser WM auch noch tägliche TV-Präsenz. Auf meiner Seite steht: diese Website. In puncto Bekanntheit war das Rennen von Anfang an entschieden. Das ist ungefähr so, als würde ein Bezirksligist gegen eine Champions-League-Mannschaft antreten und sich wundern, dass es nicht zur Sensation reicht.
Jahrelang habe ich trotzdem an Inhalten, Technik und Struktur gefeilt, um Boden gutzumachen. Manches davon hat funktioniert, vieles nicht. Selbst, wenn ich jede SEO-Regel perfekt befolge, ändert das nichts an zwei Jahrzehnten Sportgeschichte. Die wichtigste Erkenntnis kam erst, als ich die Frage geändert habe: Will ich diesen Zweikampf überhaupt gewinnen? Und vor allem – bei welcher Suche?
Die Suche, die wirklich zählt
Wer „Michael Liendl“ googelt und Fußball meint, soll den Fußballer finden. Diese Menschen sind keine Kunden von mir, und ich wäre für sie nur ein verwirrendes Suchergebnis. Um diese Suchanfragen kämpfe ich nicht mehr – das Spielfeld gehört ihm.
Interessant sind ganz andere Suchen: „Michael Liendl Consultant“. „Michael Liendl St. Pölten“. „Unternehmensberater Niederösterreich“. Wer so sucht, hat fast immer einen konkreten Grund – eine Empfehlung, ein Gespräch, eine Visitenkarte. Genau diese Person muss mich auf den ersten Blick finden, ohne Umweg über Aufstellungen und Spielberichte. Das ist keine Frage der Lautstärke, sondern der Präzision.
Mit anderen Worten: Ich habe aufgehört, gegen den Fußballer zu spielen. Und angefangen, auf einem anderen Platz zu gewinnen.
Was Ihr Unternehmen daraus lernen kann
Dieses kleine Namensduell ist im Grunde ein Lehrstück über Positionierung. Die Mechanik ist dieselbe, mit der jedes Unternehmen konfrontiert ist, das gegen einen größeren Mitbewerber antritt:
Wechseln Sie das Spielfeld. Gegen eine große Marke gewinnt man nicht auf deren Terrain. Man gewinnt dort, wo man selbst der Spezialist ist – in der Nische, in der Region, beim konkreten Problem des Kunden.
Präzision schlägt Lautstärke. Wer alles für alle sein will, ist für niemanden die erste Wahl. Je klarer Sie sagen, wer Sie sind und für wen, desto leichter werden Sie von den richtigen Menschen gefunden.
Beharrlichkeit entscheidet. Positionierung ist kein Projekt für ein Wochenende, sondern eine Frage von Jahren. Auf meiner Startseite steht nicht ohne Grund ein Zitat von Bill Bradley: „Ambition is the path to success. Persistence is the vehicle you arrive in.“
Wenig überraschend gilt das alles auch abseits von Google – beim Aufbau von Managementstrukturen, bei der Besetzung von Schlüsselrollen, bei jeder Veränderung im Unternehmen. Die lauteste Lösung ist selten die beste. Die klarste gewinnt.
Fazit
Am kommenden Sonntag (morgen) werde ich das Finale schauen und dabei einem Mann zuhören, der meinen Namen trägt und seinen Job im ORF-Studio hervorragend macht. Vielleicht stoßen unsere Familienzweige ja irgendwann doch einmal miteinander an – Gesprächsstoff hätten wir genug.
Und sollten Sie beim Googeln eigentlich den Fußballer gesucht haben: kein Problem, hier entlang. Suchen Sie allerdings jemanden, der Strukturen aufbaut, statt Pässe zu schlagen – dann sind Sie hier goldrichtig. In diesem einen Suchergebnis bin ich ungeschlagen.